Buchtipp: "Der ganz normale Missbrauch" von Nina Apin

  • Canisius-Kolleg, Odenwaldschule, Lügde und Bergisch-Gladbach: Immer wieder erschüttern Berichte über sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche die Republik. Obwohl kaum ein Verbrechen derart einhellig Abscheu erregt, bleiben die Fallzahlen seit Jahren erschreckend hoch – statistisch gesehen gibt es in jeder deutschen Schulklasse ein oder zwei Opfer. Warum tut sich unsere Gesellschaft so schwer damit, Kinder effektiv zu schützen? Und wie lässt sich das ändern? Die freie Autorin Nina Apin beleuchtet ein Problem, das uns alle angeht und hat Betroffene selbst dazu interviewt. Frau Apin beleuchtet Hintergründe, Fakten Zeitrelevantes und Aufarbeitendes in den verschiedenen Kontexten. Sie führte Gespräche mit vielen Betroffenen u.a. mit MariaAndrea Winter und beleuchtet auch vermeintliche Reformpädgogik, sowie Machtstrukturen. 
     

Magie der Wirksamkeit von Selbsthilfe

Gemeinschaftlicher Zauber zur Befähigung, sich selbst und anderen zu helfen

MariaAndrea Winter

Die überwiegende Anzahl der Menschen in den Selbsthilfegruppen machen eine besondere Erfahrung. Meist kommen Menschen mit ihrer eigenen Betroffenheit besser zurecht als im Alleingang.
In der gegenseitigen Unterstützung finden die meisten eine besondere Ar t der Zuwendung und des Verstehens. Insbesondere die Vertraulichkeit, die dem Einzelnen garantiert wird, fördert Offenheit. Das führt in vielen Fällen zu stabilisierenden Lebensumständen.

 

Der Dreh- und Angelpunkt für Wissenserweiterung und Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet allerdings viel mehr:

  • Befähigte Teilnehmenden "ihre Betroffenheit/Krankheit" noch besser zu verstehen
  • Austausch untereinander; Bündelung von Interessen
  • Förderung der Gesundheitskompetenz, Fachwissen wird erworben und weitergegeben (Experte in eigener Sache werden)
  • Menschen zu treffen, denen es genauso oder ähnlich geht (nicht alleine bleiben)
  • Tippgeber im Umgang mit Behörden und dem professionellen System
  • Lösungs- und Informationsangebote
  • Eröffnung neuer Perspektiven zu Lebensinhalten
  • Hoffnung, Selbstvertrauen und Zuversicht werden gestärkt
  • kann Integration und Inklusion ermöglichen
  • kann sozialer Isolation entgegenwirken
  • Entlastung des Gesundheitswesens und der Gesellschaft
  • Zunehmende Informationsangebote im öffentlichen Raum durch Betroffenen selbst
  • Angebot von Beratung und Fortbildung untereinander sowie als Multiplikatoren

 

Selbsthilfe wirkt sich positiv aus und ist viel mehr als die Beschäftigung mit der eigenen Krankheit/Betroffenheit. Zum Beispiel wird in den Gruppen auch viel gelacht, es gibt gemeinsame Aktionen und interessante Begegnungen.

 

Inzwischen gibt es in den Selbsthilfegruppen die Möglichkeit, Fortbildungen zu veranstalten oder zu besuchen. Diese werden über die Pauschalförderung der zuständigen Krankenkassen unterstützt. Die Gestaltung von Projekten findet Unterstützung durch die Projektförderung. Die Gelder dafür werden ebenfalls bei der/den Krankenkasse/n beantragt.

 

Von Selbsthilfegruppen gehen oft kritische und innovative Impulse aus, die zur Veränderung und zum Umdenken im professionellen Bereich beitragen. (Quelle: paritätischer Wohlfahrtsverband)

 

Bei uns z.B. lohnte sich die Hartnäckigkeit eines gewählten Sprecherrates. Um eine wichtige Veränderung in der Selbsthilfeförderung zu lösen. Unterstützt von den anderen Sprecherräten des Landkreises Rastatt- Stadtkreis Baden-Baden wurde im Jahre 2015 ein gemeinschaftlich unterschriebener Brief an den GKV Spitzenverband gesendet. Darin konnte dargestellt werden, was den Gruppen (noch) fehlt. Inzwischen gibt es den Anspruch auf Supervision für die Gruppen-Initiatoren*innen und die Stellvertretenden in allen Bereichen.

 

Magische Aussagen, bunter Vielfalt, aus einer Gremiensitzung (Akteure aus verschiedenen Gruppen)

 

Das bedeutet Selbsthilfe für sie:

Bin nicht alleine - Information durch Fachvorträge - bringt Freude und SelbstvertrauenLeidensweg reduziert – Erfahrungen – LernenAustausch untereinanderGelerntes im Alltag umsetzenDankbarkeitgelassener werdensich gebraucht fühlen – überlebt haben – wie eine Familie – Kontakte findenbaut mich aufbringt mir RuheWertschätzung – eigenes Schicksal annehmen können – sprechen dürfengehört werdenernst genommen seinbeteiligt werden – Miteinander  Wert der Selbsthilfe weiterbringenLeitung sein dürfenmitwirken an Veränderungen – Öffentlichkeit sensibilisieren  

 

Neben den vielen guten hilfreichen Aspekten gibt es Faktoren, die sich auf einzelne oder in Gruppen destabilisierend bzw. demotivierend auswirken können. Die sogenannten Stolpersteine. Diese sollten unbedingt betrachtet/beachtet werden.

 

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass die Bewältigung von Problemen in einer harmonischen Atmosphäre von statten gehe, denn seelische Gesundheit und Konfliktlosigkeit sind nicht gleichzusetzen. Es geht gerade auch in Selbsthilfegruppen darum, Konfliktfähigkeit zu lernen. (Quelle: NAKOS – Tipps für Arbeit in Selbsthilfegruppen.)

 

In einem teambildenden Seminar, das im November 2017 gemeinsam mit der Selbsthilfekontaktstelle stattfand, wurde unter anderem das Thema Konflikte in der Selbsthilfe aufgegriffen. Eine Sensibilisierung der Akteure im Sprecherrat, sowie dem Gremium für Öffentlichkeitsarbeit erfolgte.

 

Es ging vor allem darum, mit Konflikten sachkundiger umzugehen. Denn Selbsthilfe im Miteinander bedeutet auch, eine Kultur des Hinschauens zu fördern. Konflikte als Chance zu erkennen, an denen es sich wachsen lässt. Den Schleier haben; Offenheit leben lernen; damit gemeinsames Tun gelingt; erkennen können, wo es (noch) mangelt, damit diese Mängel behoben werden können.

 

Anzumerken ist, dass die Selbsthilfe einen attraktiven Bereich darstellt, der vielfältigen Nutzen hervorbringt. Zu dem persönlichen Betroffenen-Wissen werden neue Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten erworben. Dies können sowohl gesellschaftlich als auch im Alltags- und Berufsleben genutzt und eingesetzt werden.

 

Fazit:  Selbsthilfe in der Begegnung mit „echten Menschen“ hilft, macht stark, bildet fort, ergänzt, befähigt, und noch vieles mehr.

 

Dieser Artikel hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er ist eine Mischung auch Recherche sowie Selbst- und Fremderfahrungen während des Ehrenamtes.

 

MariaAndrea Winter (Gremium Öffentlichkeit)

 

 

 

Quellen: Paritätischer Wohlfahrtsverband; NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen)

 B.A.G. Selbsthilfe; Selbsthilfe-wirkt;

 Wirksamkeitsforscher Fabian Haller;

 Abfrage bei Selbsthilfeakteuren im Landkreis Rastatt – Stadtkreis Baden-Baden

 

 

Wir sind nur so stark,

            wie wir vereint sind

                        und so schwach,

                                                  wie wir getrennt sind.

 

 Buchzitat von Joanne K.Rowling aus Harry Potter und der Feuerkelch

 

 

 

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