Am 23.November 1995 gründeten 17 engagierte Menschen aus der Zivilgesellschaft den Verein „Feuervogel“. In einem Aufruf zur Vereinsgründung sollte das Ziel des Vereins sein: das „Schweigen zu brechen über ein sehr heikles und brisantes Thema und Möglichkeiten zur Vorbeugung von sexueller Gewalt zu erarbeiten“. Seither hat Feuervogel viel bewegt im gesellschaftlichen und auch politischen Raum:
Prävention und Beratung von Betroffenen sind Schwerpunkte der Arbeit, die der Verein leistete. Mit zahlreichen Projekten wie das Projekt „Kinder haben Rechte“, zahlreiche Rastatter Fachtage und Fachtexten wie z.B. der „Erste-Hilfeleitfaden für Fachkräfte im Umgang mit traumatisierten Mädchen und Jungen“ konnte der Verein einem großen Kreis von Fachkräften aus Schulen, Kindergärten, Heimen und anderen pädagogischen Institutionen Informationen und Hilfestellungen an die Hand geben.
Von Anfang an arbeitete der Verein mit engagierten Frauen zusammen, die aus eigener Betroffenheit oder als Sprachrohr von Betroffenen wichtige Expertise und Impulse einbrachten.
In diesem Jahr konnten zwei Ziele erreicht werden, die Meilensteine für den Verein darstellen. Die Beratungsstelle konnte in neue größere Räume umziehen und die Förderung durch den Landkreis Rastatt für die Absicherung einer Personalstelle wurde verstetigt.
In 30 Jahren zäher, unermüdlicher und oft anstrengender Arbeit und auch durch so manche Krise hindurch haben es viele engagierte Frauen und Männer aus der Zivilgesellschaft und im politischen Raum ermöglicht, dass es uns heute noch gibt, wir sogar personell und auch räumlich wachsen konnten.
Uschi Böss-Walter und MariaAndrea Winter durften wir die Goldene Ehrennadel und Urkunde des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg für ihr außergewöhnliche langjährige Engagement für den Verein überreichen.
Uschi Böss-Walter ist eine der Gründerinnen des Vereines und war viele Jahre lang Vorstand, das Gesicht und die Seele des Vereins. Sie hat sowohl Ihre professionellen Fähigkeiten mit großem zeitlichem Aufwand eingebracht und war die Visionärin des Vereins, die auch immer die richtigen zukunftsweisenden Themen auf dem Schirm hatte. Sie hat zudem viele Stunden in die Öffentlichkeitsarbeit, viele Zeit und Mühe investiert, die Ziele des Vereins und die Arbeit der Beratungsstelle sichtbar zu machen.
Das „Projekt Kinder haben Rechte“ und die Arbeit mit den geflüchteten jungen Frauen waren zwei ihrer Herzensprojekte, die sie maßgeblich mitgestaltet hat und mit dem sie in die Stadtgeschichte eingegangen ist.
Dafür dürfen wir die goldene Ehrennadel des Parität. Wohlfahrtsverbandes überreichen und von ganzem Herzen Danke sagen.
MariaAndrea Winter ist auch seit Beginn an Mitglied im Verein. Schon davor hat sie sich bei zahlreichen Infoständen auf den Weg gemacht das Tabu zu brechen. Vor 30 Jahren war das Thema „Sexuelle Gewalt gegen Kinder“ mit einem großen Tabu belegt war und die Betroffenen in hohem Maß stigmatisiert wurden. Nur der Mut von Menschen wie MariaAndrea Winter, die Ihre eigenen Erlebnisse erzählt haben, hat dazu geführt, dass wir heute eine etwas andere Haltung in der Gesellschaft haben.
Über viele Jahre hinweg war Frau Winter in der Selbsthilfe engagiert, hat sich an Forschungsprojekten auf Bundesebene beteiligt, zuletzt bei dem Forschungsprojekt „Elternschaft“.
Sie ist engagiert in der Initiative aus unserer Sicht und bringst zahlreiche Impulse in die Arbeit der Beratungsstelle, sie ist eine wertvolle Intervisorin für die Beratung, hat viele Jahre selbst die Hilfefondberatung bei uns ehrenamtlich angeboten, und hat sich auch aktuell bei unserem jüngsten Projekt „Starke Bündnisse“ mit ihrem Erfahrungswissen und Expertinnenwissen eingebracht.
Sie hat für Betroffene Meilensteine gesetzt.
Danke ihr herzlich im Namen des Vereins und sicher auch im Namen vieler Betroffener, denen sie mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist.
Roland Walter, Sabine Döhring, Olga Anissimowa und Lucia Aberle,
nicht abgebildet sind Michaela Laubel und Iris Fürst

Der Verein „Feuervogel – für ein selbstbestimmtes Leben frei von sexueller Gewalt“ in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis „Kinder haben Rechte" hat für sein beispielhaftes Engagement im Dienst der Gemeinschaft vom Land Baden-Württemberg eine Plakette mit Urkunde erhalten.
Ministerpräsident Erwin Teufel und Innenminister Dr. Thomas Schäuble zeichneten am 13. März 2004 im Neuen Schloss in Stuttgart Aktionen und Projekte im Rahmen des 16.Wettbewerbs kommunaler Bürgeraktionen für ihr besonderes Engagement aus. Motto des diesjährigen Wettbewerbs war „Kinderfreundliche Kommune".
Die Preisträger hätten in ihren Gemeinden gezeigt, dass sie Kinder nicht einfach nur akzeptierten und hinnähmen. Sie hätten etwas ganz Konkretes für sie getan, betonte Ministerpräsident Erwin Teufel vor Abgeordneten des Landtags, Regierungspräsidenten, Oberbürgermeistern, Bürgermeistern, Vertretern der kommunalen Landesverbände und zahlreichen Gästen aus dem Gemeinden.
Innenminister Dr. Thomas Schäuble zeigte sich erfreut über das vielfältige ehrenamtliche Engagement in Baden-Württemberg: „Das bürgerschaftliche Engagement ist ein Stück gelebte Demokratie und für das Funktionieren unserer Gesellschaft unverzichtbar. Dieser Wettbewerb hat erneut eindrucksvoll gezeigt, dass wir in unserem Land viele engagierte Bürgerinnen und Bürger haben, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und ihre Freizeit für die örtliche Gemeinschaft und das Gemeinwohl einzusetzen. Ihnen allen gebührt unser Dank und unsere Anerkennung.“
Nach den Worten des Innenministers ist dem Auswahlgremium die Wahl der Preisträger aus der ganzen Bandbreite des Ehrenamts nicht leicht gefallen.
Uschi Böss-Walter und Iris Fürst nahmen im Namen des Vereins die hohe Auszeichnung entgegen.
